The Intercept berichtet unter Berufung auf geleakte Dokumente, dass Google eine zensierte Version seiner Suchmaschine für das chinesische Internet veröffentlichen will. Internetseiten und Suchbegriffe, die der Regierung nicht genehm sind, sollen dabei zensiert werden. Themen wie beispielsweise Menschenrechte, Regierungskritik oder die Proteste von 1989 werden im chinesischen Internet also nach wie vor gesperrt bleiben. Neu ist, dass das US-Unternehmen sich bewusst zum Komplizen des Regimes macht, um den potentiell größten Onlinemarkt der Welt zu erschließen. Bisher wird die Google-Suche in China blockiert.
Patrick Poon, der in Hongkong für Amnesty International arbeitet, schätzte Googles Entscheidung gegenüber The Intercept als „großes Desaster für das Informationszeitalter“ ein:
Das hat nicht nur für China einige sehr ernste Konsequenzen, sondern für uns alle, für die Informationsfreiheit und für die Freiheit des Internets. [Googles Entscheidung] schafft einen schrecklichen Präzedenzfall für viele andere Unternehmen, die noch Geschäfte in China zu machen versuchen, ohne sich der chinesischen Zensur zu unterwerfen. Dass die größte Suchmaschine der Welt der Zensur folgt, ist ein Sieg für die chinesische Regierung – es sendet das Signal, dass sich niemand mehr die Mühe macht, gegen die Zensur zu kämpfen. [Eigene Übersetzung]
Von dem Projekt, das googleintern unter dem Codenamen „Dragonfly“ läuft, hatten wohl nur einige hundert Mitarbeiter Kenntnis. Der anonyme Whistleblower sprach von „moralischen und ethischen Bedenken gegen Googles Rolle in der Zensur, die von einigen wenigen Managern des Unternehmens ohne öffentliche Untersuchung geplant werde“.
